D i s s e r t a t i o n

über

die alte und vornehme Familie der C o t t a

" De antiqua et nobili familia Cottarum "

" Dissertatione historica "

von Ch. F. Paullini, Gießen 1694

Deutsche Übersetzung vom Juli 1940 (Halle/Saale)

aus dem Stadtarchiv Eisenach.

 

. Dem Schriftsteller Plinius schien es besonders schön, dass den Tod nicht erleiden, denen Ewigkeit gebührt. Wir wollen also die ruhmreichen Männer und unsere Väter preisen, durch die der Herr viel Rühmenswertes hat geschehen  lassen. Unser Eingang und Ausgang ist uns gerechterweise zuerteilt, mag einer als Herrscher oder als Sklave gelebt haben. Denn unser allererster Laut ist Weinen und der Tod macht Könige und Sklaven gleich. Durch Tugend und Gelehrsamkeit allein unterscheiden wir uns von anderen. Diese Güter sind für alle unsterblich und göttlich, und, eingeschlossen im Wohnsitz des Verstandes, werden sie von sterblichen Händen nicht angetastet. Wenn einer verweilt, so bleiben sie in ihm, wenn einer flieht, lässt er sie nicht zurück. Noch aus dem Schiffbruch tauchen sie mit uns auf.

II. Durch Tugend und Gelehrsamkeit glänzte immer das ruhmreiche Geschlecht der Cotta, dessen hohe Blüte man schon vor der Menschwerdung Gottes bei den bedeutendsten und ältesten Schriftstellern bewundert hat. Wie gross die Würde und Macht der römischen Consuln war, hat mein gelehrter Mitbürger Johan Rosin ausführlich in den " Römischen Altertümern " dargestellt. (Erasmus Schmid hält das Werk für ausgezeichnet, ungeachtet des abfälligen Urteils Reines oder der ungerechten Kritik von Knipping). Wohl die höchste Würde aber bestand darin, dass die Jahre zur Unterscheidung nach ihnen benannt wurden, nicht anders, als die Jahre von Christi Geburt an gezählt werden.

Zunächst begegnen mir beim Lesen der alten Schriften die hochberühmten Consuln C.Aurel Cotta 250 v.Chr. und C.Aurel Cotta II 246 v.Chr., ferner C.Aurel Cotta 199 v.Chr., L.Aurel Cotta 143 v.Chr., derselbe war nochmals im Jahre 118 v.Chr. Consul C.Aurel Cotta 74 v.Chr., M.Aurel Cotta 73 v.Chr., L.Aurel Cotta 64 v.Chr. und M.Aurel Cotta 20 n.Chr. Der Consul C.Aurel Cotta hatte seinen Blutsverwandten P.Aurel.Pecuniola den Oberbefehl bei der Belagerung von Liparis gegeben (Insel und Stadt bei Sizilien).

Er sollte dabei durch wiederholte Opferfeierlichkeiten den Übergang nach Messina vorbereiten. Er liess ihn aber auspeitschen und zwang ihn, als einfacher Soldat beim Fussvolk Kriegsdienste zu tun, weil durch seine Schuld die Belagerungsmaschinen in Brand gesteckt und beinahe das Lager genommen war.

Mutig und glanzvoll war die Rede des Consul C.Cotta an die Bürger, durch die er sie ermahnte, ihr Geschick mit Würde zu tragen. (Aldus Minutis, der Sohn des Paullus, hat sie durch C.Sallustius herausgegeben). Im Jahre 67 verbündete er sich mit den Venetern. Von seiner klugen Beredsamkeit und seinem hohen Verstande machte er nur im guten Sinne Gebrauch. Leidenschaftlich war er bestrebt, sich persönlich beleibt zu machen und nahm für den Staat die heftigsten Feindschaften auf sich, dem er sich sein Leben lang hingebungsvoll widmete. ( Wie M.T.Cicero, der 60 v.Chr. lebte, bevor er nach Griechenland ging, im Jahre 79 die Freiheit einer Aretinerin gegen einen Cotta, einen sehr beredsamen Mann, verteidigte, beschreibt Franc Fabritius in seiner Geschichte des M.T.Cicero).

C.Aurel Cotta war 75 v.Chr. Consul zusammen mit L.Octavius. Er wurde aber wenige Tage nach dem Tode des Crassus durch die Mißgunst der Volkstribunen vertrieben. 70 v.Chr. brachte L.Aurel Cotta als Praetor (Richter) beim Volke ein Gesetz ein, wonach die Senatoren ihre Beschlüsse zusammen mit dem Ritterstand und den Aerartribunen fassen mussten. An ihn und an seinen Freund L.Manilius Torquatus erinnert der erwähnte Cicero; er sagt: Erinnert Euch, wie unter dem Consulat des Cotta und Torquatus mehrere Türme auf dem Capitol vom Blitze getroffen wurden, wie die Götterbilder und das Standbild der Greise umfielen und die ehernen Gesetzestafeln schmolzen. So gewaltig ist auch jener, der diese Stadt gründete, Romulus usw. (64 v.Chr.). Derselbe L.Aurel Cotta war Censor, daher hatte er in seiner Sippe den Titel " der Gestrenge ". Ganz besonders verteidigte er Cicero. Als Erster nach seiner Ansicht gefragt, sagte er nähmlich: dem Cicero habe man nicht nach Recht, nicht nach Väter Sitte und nicht nach dem Gesetz behandelt, deswegen brauche er auch kein Gesetz.

Unter dem Consulat des L.Lucinius Lucullus und M.Aurel Cotta verlies Cicero, mit dem alljährlichen Quaestoram beauftragt, Sizilien. Auf Betreiben dieses Cotta erhielt Marcus Antonius die Verwaltung der gesamten Meeresküsten und brandschatzte Sizilien und alle Provinzen. Dieser Antonius war der Vater des Triumvirn M.Antonius, der in Plutarch den falschen Beinamen " der Kritische " erhalten hatte; er hätte nämlich besser " Grossmaul " genannt werden müssen.

Über den Volkstribunen Cotta, der beim Ritterstand sehr in Gunst war, schreibt auch Reiner Reineccius. Wie ein Cotta und ein gewisser Triarius die Stadt Hierochia am Schwarzen Meer einnahmen, nachdem sie die Unterführer des Mithridatis besiegt hatten, beschreibt auch nach anderen Schriftstellern Sethus Cavisius. Cotta war wie Sulla ein sehr tapferer Führer und Diktator (vergl. Coel. Rhodigin und nach diesem Cl. Dornavio).

III. C. Julius Caesar, der um 60 v.Chr. lebte, der Begründer der 4. Diktatur, berichtete rühmlich und weitläufig über den General L.Aurunculeius Cotta; über C.Fusio Cotta, einen ehrenhaften römischen Ritter, der auf Befehl Caesars die Verproviantierung unter sich hatte, berichtet er ebenfalls. Dieser fiel.

Johann Manlius erzählt jene beispielhafte Heldentat von Cotta und Sabinus. Obwohl zwischen beiden erst Feindschaft bestand, wurden sie doch in äusserster Lebensgefahr die besten und treuesten Freunde. Cotta geriet während der Schlacht in Gefahr, Sabinus lief herbei und befreite ihn. Dieser geriet in dieselbe Not und wurde von Cotta glücklich herausgehauen. So schlugen sie den Feind. Der Ausgang war also in jeder Hinsicht glücklich, weil sie in ihrer höchsten Gefahr einträchtige Freunde waren. Wenn doch – so schliesst Manlius seine Erzählung - in Deutschland zwischen den Fürsten und Theologen auch solche freundschaftlichen Beziehungen des Fühlens und Wollens gegen die äusseren Feinde bestünden - ich wollte es wäre so ! Wie nützlich und schön würden sich die Dinge gestalten; das nähmlich ist wahre Freundschaft: daselbe wollen und dasselbe nicht wollen, wie schon Abraham sagt.

IV. Diodorus Siculus, der im Jahre 40 v.Chr. unter den berühmtesten seiner Zeitgenossen glänzte, wie der Mond unter den kleineren Gestirnen, gedenkt des Cotta, der Statthalter von Paphlagonien war, d.i. eine weite Landschaft in Kleinasien. zu ihm schickte Sardanapal König von Assyrien, als der Krieg mit den Nedern ausbrach, drei seiner Söhne und zwei Töchter, um sie in Sicherheit zu bringen. Er berichtet folgendes: Als Sardanapal sah, dass das ganze Königreich in grösster Gefahr schwebte, schickte er drei seiner Söhne und zwei Töchter mit vielen Geschenken nach Paphlagonien zu den Statthalter Cotta, der sein bester Freund unter allen Herrschern war. Jener Cotta war ein Mann, der ein ganz ausserordentliches Vermögen besass. Wegen seiner Würde war er berühmt und ein hochgeachteter Ehrenmann.

Zusammen mit seinen Kindern schickte ihm der König viele Geschenke. Jenem Sardanapal aber sagte man Hässliches nach, so auch Fustinius der Bearbeiter der Werke des Trogus Pompeius; er nennt den Sardanapal " lasterhafter als ein Weib ". Dennoch möchte ich das Alter und den Glanz dieses Geschlechtes auch durch diese Geschichte bezeugt haben. Gute und bewährte Fürsten haben manchmal schlechte und treulose Diener und schlechte stehen tüchtigen und lobenswerten Männern gegenüber. Zu den letzteren rechne ich auch diesen Cotta, bis mir einer das Gegenteil beweist.

V. Titus Livius Patavius, der bedeutendste lateinische Geschichtsschreiber, * 59 v.Chr., mit 70 Jahren oder, wie andere sagen, im 3. Regierungsjahr des Kaisers Tiberius im Jahre 19, hat überliefert, dass M.Aurel Cotta und M.Claudius Marcellus die Volksspiele dreimal neu veranstaltet haben.. Ferner berichtet er über M.Aurel Cotta, den Decomvirn, an dessen Stelle nach seinem Tode M.Acilius Glabrio trat. Livius schreibt dann noch über M.Aurel Cotta, der Praetor und Consul war. M.Aurel Cotta war unter den Gesandten an den König Philippus, dieser Cotta kam auch gleichsam als Gesandter des L.Scipio nach Rom. Bei Scipio war ein L.Aurel Cotta Kriegstribun.

  1. Publius Ovidius Naso, der Dichter als Sulmo, * 43 v.Chr., wurde im Jahre 21 v.Chr. (7 v.Chr.?) nach Geta am Schwarzen Meer verbannt. Dankbar preist er den Cotta Maximus, seines grossen Schutzpatrons milden Sinn, dessen hohe Vornehmheit, seine einzigartige Standhaftigkeit und Treue:
  2. Großer Cotta, du hast mir wahrlich die Götter gesendet, heimwärts kehrte uns nun Caesar mit Caesar zurück. Du vernahmst den Gruss, den ich Dir sandte, o Cotta. Ach, ich flehe zu Gott, dass er Dich wirklich erreicht. Wenn mich die Qualen bedrängen, Du Glücklicher machst sie mir leichter und durch Dich wird uns nur Gutes und Schönes zuteil.

Als die anderen schon wankten, die Fahnen stürzten und fielen,

Du hieltest blutend noch Stand, einziger Anker, der hielt.

Dankbar sehn wir auf Dich, pflichtgetreuester Held. . . .

Mehr noch, wie immer Dein Sinn mildtätig ist, so auch zeiget

hohe Gesittung, wie sehr stets Dich Dein Adel erhebt.

Davon weiss wohl Volesus, der Stammvater Deines Geschlechtes.

Numa erkennt Dich an, Dir durch die Mutter verwandt.

Nachkommen müssen sich durch den Namen Cotta bewähren,

wäret Ihr Cotta auch ein unvergänglich Geschlecht.

Solchen Geschlechtes würdiger Mann, o eile zu Hilfe

den gefallenen Freund, wie Dir die Grossmut gebeut.

Der Dir lieber von Mund zu Mund seine Grüsse entböte,

grüsst Dich vom rauhen Strand Getiens, Cotta, o Held.

Ebenbürtig bist Du der Väter, wir lesen die Worte,

die auf dem Forum Du sprachst, kluger, beredsamer Mund.

Wäre ich verstrickt nicht in Schuld, hätt' mich nicht die Muse verlassen,

schwiege dennoch mein Lied, weil Deinen Ruf ich vernahm

. . . . . usw.

Und wie ich einsam gewesen, so säss ich fortan alleine

und ich hielt, wie Du sagst, über hundert Männer Gericht.

Höher schlägt mir mein Herz, wenn ich Deine Worte erwäge

und ich rechne mirs an, was über mich Du gesagt.

Wie Du oft von mir sprachst, als ich in der Heimat noch weilte,

so wird mein name auch jetzt nimmer mehr fremd Deinem Mund.

VII. An einen Cotta erinnert auch, allerdings zuweilen unrichtig, M.Valerius Martialis aus Vates Bilbili gebürtig, einer vornehmen Stadt in Celtiberion. Dieser Cotta stand 60 v.Chr. auf der Höhe seines Lebens. Er hatte gewöhnlich einen scharfen gehässigen Witz und eine ungeschminkte Ausdrucksweise nach dem Urteil des Plinius. Philipp Claver erwähnt einen König Cotta, der zu den Göttern erhoben wurde, und die cottischen Alpen. Er sagt: Hier in Turin grenzten in den Alpen die Herzogtümer der Cotta und Ideonni aneinander.

Die Hauptstadt des cottischen Reiches war Segusio oder Segusium, jetzt Susa. Übrigens benutzten die Römer die Strasse durch die cottischen Alpen meist bei ihren Zügen nach Gallien. Das Cottische Reich erstreckte sich von Ost nach West von den Grenzen bis zur Stadt Eborodonum, von Nord nach Süd von den graischen Alpen bis zu den Meeralpen. Jene Alpen waren von Galliern bewohnt. Obwohl sein Reich hinter Engpässen verborgen war und durch die weglose Zerrissenheit seiner Landschaft geschützt war, liess sich der cottische König in ein Bündnis mit Octavian aufnehmen und lies, als er sich gesichert glaubte, als Denkmal seiner Bautätigkeit mit Hilfe grosser Mauern günstige Reisewege anlegen mitten durch die anderen uralten Alpengebirge. In diesen cottischen Alpen, zu denen man auf dem Wege über die Stadt Segusio gelangt, liess er einen sehr hohen Pass anlegen, über den wohl niemand ohne grosse Gefahr hinweg konnte. Das Grabmal dieses Herzogs Cotta, des Wegebauers, liegt nahe bei den Mauern von Segusio.

Seine Namen ehrt man doppelt, weil er die Seinen gerecht regierte und, an den römischen Staatenbunde angeschlossen, seinem Volk dauernden Frieden erhielt.

Über Cotus kann man bei Julius Caesar nachlesen (Bürgerkrieg III, Seite 347). Zu Cotis königliches Geschlecht vergl. die Elegie von Ovidius Naso.

Dass das lateinische Recht in den Digesten - was fälschlich bestritten wird – besonders von Cotta, Popma, Vossio usw. geschaffen wurde, bezeugt Cl. Kirchmayer, Professor zu Wittenberg, mein ehrwürdiger Freund.

VIII. Unsere Cotta aber stammen von den Römern ab. Sie sind aus Rom zuerst nach Ferraria (Eisenach ?) in Thüringen ausgewandert. Das bezeugt Kaiser Sigismund, " König, Krone und Haupt aller irdischen Menschen ", wie Chrysostomus den Kaiser nennt.

Burckard, nähmlich von vornehmer römischer Abkunft, liess sich um das Jahr 1400 in Nessus nieder. Sein Sohn war Bonaventura I., Ortsschulze in Cottendorf und Eisenacher Bürger. Er war Kaiserlicher Rat und der Kaiser lobesam verlieh ihm wegen seiner Tapferkeit und Treue in den Kämpfen gegen die Venediger, Oesterreicher und andere damalige Reichsfeinde, in denen er sich als mutig und standhaft bewährte, von neuem die Adelswürde. Sie war den Cotta vor Zeiten von Otto III. um das Jahr 1000 erblich verliehen worden. Er stattete sie nunmehr noch glänzender aus zu Prag in der Bartholomäusnacht des Jahres 1420.

IX. Den Adelsbrief vom guten Kaiser Sigismund möchte ich zum Ruhme meiner Heimatstadt und zur Ehre des reichen Geschlechtes der Cotta nicht vorenthalten:

Wir Sigmund von Gottes gnaden Römischer König / zu allen zeiten Mehrer des Reichs / und zu Hungarn / zu Böheim / Dalmatien / Croatien etc. König / bekennen und thun kund offenbar mit diesem Brieff allen denen / die ihn sehen / oder hören lassen / dass wir gütlich betrachtet und angesehen haben sollich Tapffer Leute biederkeits / Redlichkeite und Vernunft / die Bonaventura Cotta / Burckharts Sohn / Römischer Abkunfft / und des Geschlechtes von Cottendorf aus Döringen / Sust Bürger zu Isenach / unser und des Reichs Lieber getreuer an ihme hat / und auch solliche willige und getreue Dienste / die er uns und dem Reich wieder die Venedier und Oestricher / und andere unsre Finde bewiesen / ferner zuthun willig und bereit ist täglich / und fürbass thun mag in künfftigen Zeiten / und haben darum mit wohlbedachten Muthe / guten Rath und rechten wissen demselben Bonaventuren / und allen und jeglichen seinen Erben / diese besondere Gnade gethan / und thun ihn in Kraft dieses briefes / als seine vorderen unter ihre Wapen mit Nahmen einen Schildt mit einen gleich vor sich nach der Lincken boben im Blauen Feld stehenden Gelben / oder Güldenen Widder / und drey blauen Fusseysen / oder Lilia / derselben zwey auff einem Schwartzen / und ein allein auff einem Schwartzen Balcken in der mitte / wie die andere bober sich im weisen Felde / und ein Helm auff dem Schilde mit einer rothen zur Rechten / und Blauen zur Lincken hinder dem schilde abhangenden Helmdecken / und boben auff dem helm ein schwartzen Balcken mit dreyen blauen Lilien / oder Fusseyssen / bober sich und zwischen denselben auch ein Gelben / oder Güldnen Widder / hinter welchen fünff Haynrosen an ihren Zweygen / und derselben zwo Blauen zwischen dreyen empor gahn / us besonderen Gnaden und Gütigkeit des edlen und Hochgebohrenen Otthonis, Römischen Königs / vor zeiten Geführt haben / dass Genannter Cotta / und alle seine ehliche Erben / zu besserung ihrer Wapen ein weisen schildt mit einen Güldenrunde / und in demselben drey rothe Haynrosen zu der Lincken von boben zu unten / und eine halbe blaue Gilgen mit einem Güldenen bunde in der mitte zur rechten / an städte der vorigen Fusseysen / und off dem Helm eine Jungfrau / mit einem Rothen und blauen Rosenkrantz uff ihrem Haubte / und Gülden ketten an ihrem Halse / dazu ihr rechter arm und Helffte ihres Kleides von boben zu biss zu Mitten blau und ihr Unter-Kleid von der Mitte bis zUr Lincken auch blau / und in der rechten hand eine halbe blaue Gylgen haltend / wie die in der Lincken drey rothe Rosen gleich den im Schildte bober einander / doch den lincken Arm biss zur mitten Roth / von oben zu unter / und das Niderkleid zur rechten auch Roth / darvon eine sonderbahre Helmdecke / Blau und Roth zu beiden Syten des Schildtes hinabgaende / als denn dieselbe Wapen und Kleinot in dem Schild und auff dem Helm in der mitte dieses Kegenbortigen unseres briefs gemahl / und mit Farben ausgestrichen sind / Und die wir auch ihn von neues Verleihen und Bestätigt haben / Verleihen / geben und bestätigen Ihn auch von Römischer Königlicher Macht und Vollkommenheit / und Krafft dieses Briefs und setzen und wollen von derselben unser Königlichen Macht / dass Genandter Bonaventur Cotta und seine Ehliche Erben / dieselbige Wapen / und Kleinot fürbass mehre haben / und der auch in allen Sachen und Geschäften zu schimpff und zu Ernst / und an allen Enden / in Streiten / Kämpffen / Thurnieren / Gefechten / Panyieren / gezelten / Pittschafften / Kleinoten / Begräbnissen / u.d.m. wie andere erbare Ritter und Edelknechte / unser und des Heiligen Reichs Rechtgebohrne Wapen- und Lehngenossen / von Allermänniglich ungehindert führen und gebrauchen sollen und mögen. Und wir gebieten auch darum allen und jeglichen Chur- und Fürsten / Grafen / Edlen Rittern und Knechten / Amtsleuten / Burgermeistern /Rathmannen / Herolden / und sust allen anderen Unser und des Richs Unterthanen und getreuen / ernstlich und vestiglig mit diesem Brief / dass sie genandte Bonaventur Cotten / uns seine Ehliche Erben und nachkommen / an den Vorgemahlten Wapen und Kleinot für bass nic hindern noch irren / sondern sie derselben für und für ewiglichen allen enden gebrauchen Lassen / als lieb sey unser und des H.Reichs grose und schwere Ungnade / dazu eine strafe nemlich Vierzig Marck lötiges Goldts / welches der hierwieder thut / jeglich mahl in Unser und des Richs Cammer verfallen seyn soll / zu vermeiden / doch Unschädlich allen anderen / die Vielleicht in diesem gesippe der Cotten der vorgemahlten Wapen gleich führten unsern Wapen und rechten. Zu Uhrkund diess Briefs Versieglet und mit unserm Königlichen Innsiegel Bekräfftigt. Geben zu Prage nach Christi Geburt viertzehnhundert jahr und darnach in dem Zwantzigsten Jahre an S.Bartholomäus Abend des Heiligen Zwölf boten / unser Riche des Hungerischen in dem vier und Dreisigsten / und des Römischen in dem Zehnten Jahre.

X. Von diesem Zeitpunkt ab gehörte die Familie Cotta zu den Patriziergeschlechtern unserer Stadt und regierte sie gut mit Rat und Fleiss.

Heinrich I., der Senior, lebte damals um das Jahr 1478. Mir scheint nähmlich der erst richtig zu leben und sein Leben recht zu geniessen, der in seinem Beruf danach strebt, durch seine Taten sich einen Namen zu schaffen oder durch seine Kunstfertigkeit. Heinrich hatte drei Söhne, Conrad johannes, Friedrich. Den Conrad machte seine Vaterstadt zum Bürgermeister, damit er Pflicht eingedenk des Rates pflege und jedem das Seine gäbe. Johannes " der Weise " genannt, war Bürgermeister im Jahre 1525; ebenso erhielt Friedrich dieses Amt.

Conrad war mit Ursula Schalbe Vermählt, ihr Sohn war Bonaventura II. Auch dieser war Bürgermeister und Vorsteher der Kaufmannsgilde.

Heinrich II. war ebenfalls Bürgermeister, er war aber unverheiratet und starb ohne Nachkommen.

Bonaventura II. heiratet Elisabeth Nebelung. Sie hatten fünf Söhne und eine Tochter:

1. Conrad II., ein sehr reicher Kaufmann. Seine Frau war Christina Auerbach.

2. Bonaventura III., Gothaischer Hauptmann, ein sehr energischer Herr der unverheiratet starb.

3. Reinhard, der im Kriege fiel.

4. Daniel, ein hervorragender Arzt.

5. Jeremias I., Bürgermeister, geboren 1557, 1597 verheiratet mit Ottilia Donelia,

Witwe des sehr ehrenwerten Thomas Bachofen, Patrizier von Köln und Bürgermeister von Gotha.

Er starb nach 23 jähriger Ehe nachdem er 25 Jahre Bürgermeister war, mit 63 Jahren am 30.April 1620. seine Ottilie starb fromm 1656 am Dominionstag 88 Jahre alt.

Die einzige Tochter des Bonaventura war Anna, Sie war mit Conrad Iftland vermählt, einen Erzbergwerks-Direktor. Man nannte ihn gewöhnlich " den edlen Curt von Ifftland ". Als Anna starb, heiratete er eine vornehme Boyneburgerin.

Heinrich II. oder der Jüngere war Bürgermeister in Eisenach, ein wahrer Trost in traurigen Zeiten, sehr vermögend und in guten Verhältnissen, ein grosser Förderer der Wissenschaften. Er war Tischgenosse Luthers in Wittenberg (Elbe). Mit ihm verkehrte Luther wie mit einem Verwandten. Sie pflegten häufig wissenschaftlichen Gedankenaustausch; dafür gibt es noch viele Zeugnisse. Er starb als Bürgermeister am 17.Juni 1565. Christoph Winer P.L.C. schrieb ihm folgende Grabschrift:

Unter diesem Hügel ruht in kühler Erde

Eisenachs Bürgermeister Cotta.

Vater Luther sass mit ihm zu Tisch

in der schönen Elbe-Universität,

lehrte uns des Rechtes Rätsel lösen.

Seine liebe Heimat lenkt er weise,

allzu früh riss ihn ein Krampf hinweg

und die Seele floh aus seinem Körper.

Weinend tragen wir zu Grabe ihn,

unter Heiligen weilt er jetzt in Himmel

fern den Menschen dort im Gottesreiche.

Wanderer, nahst du dich und liest du dies,

bete: Unser Cotta ruhe sanft.

Seine Frau Catharina Auerbach heiratete später Peter Clar, Königlicher Kommissar, und nach seinem Tode den Christoph Hartmann, Gesandter des Wiener Hofes in Frankreich, später Eisenacher Senator. Ihren drei Männern errichtete sie ein herrliches Denkmal im Jahre 1589, dort heisst es von ihrem Heinrich:

Heinrich, der ruhmreichen Cotta Spross,

war meines Brautgemachs erste Zier.

In jungen Jahren ging er hier zur Schule,

wie es den Knaben Eisenachs geziemt,

dann ging er zum berühmten Elbestrand,

trat, Wittenberg, in deine Mauern ein.

Nicht lange weilte er in der Weisheit Stadt,

da war er weisen Männern wohlbekannt.

Selbst Luther liebt ihn bald wie seinen Sohn,

gewährt ihm Gastrecht, öffnet ihm sein Haus.

Er ging nach Ingolstadt und Padua dann,

trank am berühmten Quell zu Pieridum.

Von dort kehrte er glücklich zur Heimat wieder

und wurde Bürgermeister unserer Stadt,

trat ein für heimische Rechte, herrschte angenehm

und unterwarf sich dem Gesetz auch selbst.

Hart straft er Untat, schützt die Ehrenhaften,

sprach seinen Bürgern unverfälschtes Recht.

Als er hier 51 Jahr gelebt, bestimmt die neidische

Parze ihm den Tod.

Die ehrwürdige Matrone selbst ging am 15.Juni 1608 den Weg alles Fleisches, wie es auf ihrer Grabschrift steht. Sie war fromm und besass alle Tugenden. Hochgelobt wurde sie wegen ihrer Freigebigkeit und Wohltätigkeit an den Dienern der Kirche und Schule und gegen andere Bedürftige.

XI. In den Briefen Hermann Bömelburgs, seines Namens der III., 49.Abt von Corvey im Jahre 1482 habe ich den Abt Benedict "Coda" oder besser "Cotta" gefunden. Man sagt nähmlich "Coda" usw. für "cauda". Wenn sich Benedictus einen Familiennamen zulegte, wird er ihn kaum von cauda abgeleitet haben, vielmehr wird der Schreiber den Namen falsch geschrieben haben. Dieser Cotta ist Abt von Bursfelde oder Reinhardsquell (Wildungen) gewesen (sicher aber eins von beiden), genau habe ich das nicht ausspüren können. Ich für meine Person glaube bestimmt, dass er von unseren Cottas abstammt. Diese Ansicht bestätigt Michael Himmel, ein hervorragender Gelehrter und ehemaliger Rektor des berühmten Hirschfelder Gymnasium. Er äussert sich in einem Brief an Johann Oldendorf, Bürgermeister zu Eisenach, über die Familie Cotta folgendermassen: " Die Cotta waren in meiner Heimat immer sehr berühmt. Sie haben uns gute Theologen, Gesetzeskundige, Juristen ausgezeichnete Ärzte, tapfere Soldaten, ja Äbte gestellt, die alle bei uns überaus beliebt waren, so dass sie deshalb vor vielen anderen unvergänglichen Ruhm verdient haben. " Jener Benedict, der diesen Namen sicher als Mönch annahm, ist am Herzschlag gestorben. Davon erzählt ein alter Zettel aus dem Kleinkram meines Großvaters mütterlicherseits Franz Himmel, Pastor und Adjunkt in Kreuzburg. Er hat ihn mir gezeigt und er enthielt folgendes: Im Jahre 1491 starb der Geistliche Cotta mit Namen Benedict, der zum Abt erhoben war, plötzlich. Als er nämlich nach der Morgenandacht an einen Freund in der Nachbarschaft an der Weser schreiben wollte, flog auf einmal eine geschwätzige Elster, die er immer in seiner Zelle hatte, auf seinen Tisch und warf mit ihren Flügeln das Tintenfass auf die Erde, sodass der gute Mann die Feder weglegen und sich einer anderen Tätigkeit widmen musste. In der folgenden Nacht starb er an Herzschlag.

Wenn die Geschichte wahr ist, so ist sie gewiss denkwürdig. Valerius Maximus hat tatsächlich über Raben drei Unglücksgeschichten gesammelt, von denen ich die letzte über Cicero wiedergeben möchte: Als Cicero in seinem Landhaus in Gaeta weilte, riss ein Rabe vor seinen Augen den Uhrzeiger ab, dann flog er auf ihn selbst zu und hielt mit seinem Schnabel an einem Zipfel seiner Toga fest, bis ein Sklave meldete, dass die Wache gekommen sei, um ihn zum Tode zu führen. Plutarch berichtet das folgendermassen in seinem Buch " Gefangenenschicksale ": "Cicero war nach Astura verbannt und schiffte sich plötzlich mit einem gerade erreichbaren Schiff ein. Er kam mit günstigen Winde segelnd bis zur Circaeischen Küste. Als die Schiffer dort gerade die Anker lichten wollten, ging er an Land, sei es, weil er sich vor der Weiterfahrt auf dem Meer fürchtete oder weil er noch immer auf die Treue Caesars baute. Nachdem er 13 Meilen nach Rom marschiert war, fing er an, wankelmütig zu werden, und als er seine Absicht wieder geändert hatte, verbrachte er dort die Nacht mit trüben und ungewissen Vermutungen. Schliesslich beschloss er, sich heimlich in Caesars Haus einzuschleichen, sich vor den Hausgöttern Caesars Gnade zu empfehlen und so dessen leidenschaftlichen Zorn im Keim zu ersticken. Aber von der Zweifelhaftigkeit dieses Planes gequält und von Angst getrieben, erwog er wieder andere verworrene Pläne. Er vertraute sich Sklaven an, die ihm zu Schiff nach Gaeta bringen sollten, wo er sein Landgut hatte, das ist ein reizender Zufluchtsort in heissen Sommertagen. Dort ist am Meer ein Heiligtum des Apollo; von dort her flogen alsbald Raben mit Gekrächz zum Schiff Ciceros, das sich dem Ufer näherte. Teils krächzten sie laut überall im Segelwerk sitzend, teils zerrten sie an den Tauen mit ihren Schnäbeln. Alle hielten es für ein unglückliches Zeichen.

Cicero ging an Land und in seine Villa. Er legte sich schlafen. Ein Schwarm Raben setzte sich an sein Fenster mit jämmerlichen Geschrei, einer flog an sein Bett und mit seinem Schnabel zog er ihm allmählich die Bettdecke vom Gesicht.

Soweit Plutarch. Man sieht daraus, dass bei diesem Schriftsteller fehlerhaft mit Capua statt mit Gaeta übersetzt wird, obwohl Abbianus sagt, dass das Landhaus Ciceros bei Capua lag. Bei diesem habe ich noch andere Schauergeschichten gelesen, vergl. Peter Miller, berühmter Jenenser Professor, ehrenwerter Förderer der Wissenschaften " Disputation über das Recht der Bienen ". Aber zurück zu unserem Cotta.

XII. Ursula Cotta starb 1511, ihr Grabstein in der Georgien-Kapelle besagt:

Nach Christi unseres Herrn Geburth anno 1511 auff Sonnabend

nach Cathrinen ist die Erbare und Tugendsame Frau Ursula Cotta

in Gott verschieden / der Gott genade Amen.

Dafür ist Gott selbst Zeuge, dass ihr von allen hochwürdigen Matronen der höchste und schönste Ehrentitel gebührt. Sie war die Ernährerin und Wohltäterin Luthers, die Witwe von Conrad Cotta. Luther selbst rühmt insbesondere ihre Freigebigkeit. Als er nämlich an drei Häusern vergeblich angeklopft hatte und arm und traurig abziehen wollte, nahm diese barmherzige Sunamitin den Armen in ihr Haus auf und gewährte ihm einen Freitisch. Über diese ihre Gastfreundschaft hat er folgendes gesagt: " Es ist kein besser Ding auf Erden als Frauenliebe, wems mag werden. " In welchem Sinne er dies Sprichwort zitiert, kann von keinem falsch verstanden werden (vergl. Dr.Johann Müller "Luthers Verteidigung" und "Die Verteidigung des vereidigten Luther"). Einige berichten, die vorerwähnte Witwe habe in der Georgen-Vorstadt gewohnt, andere behaupten, dass ihr Haus am Georgplatz stand, wo später Johann Ernst, Fürst von Sachsen, seine Wohnung hatte. Es ist ebenso gut möglich, dass Luther in der Vorstadt gewohnt hat wie am Georgsplatz, aber die Currendeschüler werden damals nicht in der Vorstadt herumgelaufen sein, zumal auch Frau Cotta als reiche alte Dame innerhalb der Mauern gewohnt haben wird.

Der hochwürdige Vitus Ludwig von Seckendorf, fränkischer Adliger, Ratsherr, Vertrauensmann von Sachsen und Brandenburg, hat bei einer der regelmässigen sächsischen Kirchenvisitationen auf dringende Bitte der Provinzialstände im Jahre 1533 auch den Johann Cotta, Bürgermeister von Eisenach, als Kirchen-Visitator bestellt.

XIII. Ursula verehelichte Schweicker starb am 17.Mai 1572. Ihr Grabmal schmückte Winer mit einem schönen Gedicht:

Ich, Ursel Schweicker, ruh allhier,

von den reichen Cottas stamm ich ab

und reich war ich auch selbst genug.

In meiner Heimat hochgeschätzt

von allen Damen ehrenwert

war ich die hochgeehrteste . . . . usw.

Magareta Cottin, zuerst Ehefrau des Bürgermeisters Johann Oswald, dann Johann Löwes, des Gothaischen Steuerbeamten, Ehefrau starb im Jahre 1574. Ihr Schwiegersohn Johann Schubart liess ihr ein Grabmal in der Augustuskirche in Gotha errichten.

XIV. Jeremias I. hinterliess einen Sohn, Jeremias II. und eine Tochter Elisabeth, deren 5. Lebensjahr ihr letztes war. Der Sohn wurde geboren am 17.Januar 1600 in unserer Stadt. Seine Frau war die einzige Tochter des hochehrbaren Ratsherren Dr. Johann Ruger, Vizekanzler des Herzogs von Sachsen-Eisenach. Sie gebar ihm elf Kinder, ihre Namen sind:

1. Johann Georg, * am 22.Juli 1626 U.J.L. und schlesischer Vorsteher der berühmten Herren von Görtz. Seine Frau war Anna Sabina, Tochter des Eisenacher Ratsherrn Christian Martin. Sie heirateten 1649. Er starb am 5.November 1658 in Silicia (Schlesien), sie zu Eisenach 1689. Ihr Sohn war Jeremias III., * am 17.April 1653; er starb allzu früh am 8.Dezember 1678 an einen bösartigen Fieber im Lager zu Philippsburg als kaiserlicher Feldarzt.

2. Barbara Sabina, * 1628, Gemahlin des Tobias Kley, Bürgermeister von Eisenach. Sie starb 1654.

3. Christoph Bonaventura, später Pastor und Kircheninspektor des Distrikts Voilsberg, * am 1.Mai 1630. Er heiratete Maria Christiane, die Tochter des Nicolaus Rhön, hochachtbarer Man und Schriftsteller zu Eisenach.

4. Catharina Ottilia, * am 2.Mai 1632, verheiratet mit Johann Georg Heerwart J.U.D. (Dr. beider Rechte), Ratsherr und Kämmerer zu Wertheim.

5. Christian Friedrich, * am 10.September 1634, Pfarrer zu Sontheim im Kreis Lichtenberg. Er heiratete die ehrenhafte Jungfrau Dorothea Euphrosyne, älteste Tochter des ehrenwerten und gestrengen Herrn Marcus Ludwig Neumayer aus Ramsla, Erbhofbauer in Gerberstadt.

6. Caspar Conrad, * 1636, gestorben 1660 in der Schweiz.

7. Christiana Margaretha, * 1638. Sie heiratete Joachim Nicolaus Heydenreich, Kammerherr zu Waldeck.

8. Anna Sophia, * 1640, heiratete Dr.Johann Purgold, Stadt- und Hofarzt zu Eisenach.

9. Anna Maria, * 1643, heiratete Wilhelm Zesch, Dr,Theol. und Superindendent zu Wertheim.

10. Ernst Heinrich, * 1645, ehemaliger kaiserlicher Feldhauptmann, später Kriegskommissar im Herzogtum Altenburg.

11. Dorothea Magdalena, * 1647, früh gestorben.

Ihrer aller Leben behütete Gott und machte es glücklich.

Nämlich Christop Bonaventura hatte 6 Söhne und 3 Töchter.

Christian Friedrich hatte 2 Söhne und 2 Töchter:

Carl Gotthard, * am 24.Juni 1671, früh gestorben.

Christian Hermann, * am 16.Juni 1673. In dem berühmten Gymnasium zu Schleusingenwurde er erzogen. Er ist sehr fleissig, hochbegabt und berechtigt zu den schönsten Hoffnungen.

Dorothea Margaretha, * am 22.April 1676 und

Sophie Maria, * am 5.April 1679.

Von den anderen werde ich, wenn Gott will und ich noch am Leben bin, in einem Bericht über die Familien Purgold und Heerwart ausführlich erzählen.

XV: Hieronymus Cotta, Bürgermeister zu Eisenach, heiratete Margarethe Creutznacher anno 1568. Damals war sie Witwe des Lorenz Letz. Ihr Sohn aus erster Ehe war Georg Letz, der Gatte der Catharina Vogel, deren Vater Michael ebenfalls Bürgermeister in Eisenach war. Hieronymus starb 1612, er hatte 10 Kinder:

1. Catharina, 2. Johann, 3. Georg, 4. Hieronymus II. (Eisenacher Bürgermeister, am

27.12.1628), 5. Maria, 6. Quirinus, 7. Benedict, 8. Christian (Bürgermeister zu Eisenach,

seine Frau war Anna Margarethe Breithaupt, Tochter des Bürgermeisters Johann

Breithaupt), 9. Anton, 10. Margarethe.

Christian hinterliess mehrere Söhne und Töchter, drunter folgende:

Christiana Margaretha, Gattin des edlen und reichen Dr.Caspar Stieler.

Justina Sophia, Gattin des Bürgermeisters Johann Richard Martin.

Euphrosyne Catharina, Zweite Frau des M.Heinrich Himmel, Pastor aus Mihla. Sie ist kürzlich in Erfurt gestorben.

Von diesen Voreltern abstammend blühen und gedeihen die Cotta bis jetzt hier und anderswo. Die von Burckard und Bonaventura nicht abstammen, sind fortgezogen. Auf den Namen kommt es nicht an. Vor Zeiten sollen auch Kaiser, Könige, Fürsten und Höflinge Bauern gewesen sein. Aber was soll das besagen? Mögen also auf ihrer Scholle leben, die nicht von Bonaventura abstammen

XVI. Wie aber die alten Cotta in Rom immer vom Glück begünstigte Führer waren, so haben die unseren Ihre Vaterstadt weise geleitet. Bis heute bewundern wir ihre Weisheit und ihr Glück. Sie haben nämlich die beiden zusammengehörenden Grundsätze Platos gelernt:

1. Dass sie bei allen ihren Taten stets das Wohl der Bürgerschaft im Auge behielten ohne Rücksicht auf ihr persönliches Wohlergehen.

2. Dass sie den Staatskörper als Ganzes pflegten und nicht nur einen Teil beachteten, das Übrige aber vernachlässigten. Führung und Verwaltung des Staates muss abgestellt sein auf den Nutzen der Untertanen, nicht der Obrigkeit.

Der Ahnherr Christian Friedrichs, dem diese Arbeit gewidmet ist, war Conrad, sein Urgrossvater Bonaventura II., sein Grossvater Jeremias I., sein Vater Jeremias II.

Alle waren unseres machtvollen Stadtwesens Lenker, wie überhaupt das Geschlecht der Cotta diese Würde fast durch 2 Jahrtausende trug und vom Vater auf den Sohn weitervererbte.

Immer wenn ihr also, ihr Cotta, euren Kindern die Wappen von Otto oder Sigismund mit ihren Privilegien zeigt, dann prägt ihnen zugleich getreulich diese Worte Sallusts aus dem " Jugurthinischen Krieg " ein:

" Wenn wir die Bilder der Vorfahren anschauen, entflammen wir unsere Seelen zum Mut. Natürlich hat nicht die Asche oder das Bild diese Kraft an sich, sondern das Andenken Ihrer Taten. Diese Flamme wird durch das Vorbild der hervorragenden Männer geschürt und sie brennt, bis unsere Tüchtigkeit uns ihrem Ruf und Ruhm gleichgestellt hat ".

 Und dies sagt Symmachus: Durch den Schmuck der Ehre wird man zur Nachfolgeschaft angeleitet und die Tugend weckt den edlen Wettstreit durch das Beispiel fremder Ehre. Der Ruhm der Väter ist ein Licht auf dem Wege der Söhne. Wir wollen es diesem gleichtun, deren Ruhm wir bewundern. Die Ahnenbilder auf dem Wege des Aemillianus sind nicht anderes als die Vorbilder der Tüchtigkeit, und es ist ein mächtiger Antrieb, sich Ehre zu erwerben. Das Verdienst liegt nicht darin, hochgeboren zu sein, sondern sich hervorzuarbeiten.

Du handle rasch, noch blühen dir die Tage der Jugend,

gedenke der Ahnen, halt heilig ihr Bild in der Seele,

den Vater Aeneas und deinen Urahn, den Hektor (Virgil).

XVII. Das unverständige Volk hat vor grossen und edlen Männern nicht wegen ihrer Tüchtigkeit sondern wegen ihres Glückes Ehrfurcht, das Glück aber verschenkt sich wahllos und trifft manche unverdient. Wahren Ruhm besitzt nur der Weise, das Emporkommen der Narren ist schädlich. Wenn Euch, Ihr Cotta, aber jemand nach dem Alter oder Reichtum Eures Geschlechts oder nach Ihren Führerstellungen fragen wollte, Ihr würdet ihm dafür Beweise bringen können, und zwar aus allen Gebieten: Aus Amt und Würden, von daheim und aus der Fremde. Ganz richtig besingt das einmal der edle Dr.der Rechte Heinrich Rödiger, berühmter Stadtanwalt und feinsinniger Dichter, in einem Gedicht zur Hochzeit des Dr.med. Johann Purgold und der Anna Sophie:

" Wem kam nicht der Ruhm der Cottas zu Ohren ?

Lebte doch ihr Geschlecht schon vor unseren Herren Geburt.

Lies im Livius nach, der ihre Taten verkündet

oder bei Cicero im heiligen Buch der Geschichte.

Wieviel Cottas findest Du da als ehrbare Bürger,

ehemals als Richter und als Senatoren von Rom.

Glücklich kann sich das dunkle Germanien schätzen,

dass der berühmte Stamm in dieser Erde nun blüht. "

Und sein Sohn, der Dr.Heinrich Ludwig, dichtete auf demselben Fest:

"Selbst Rom, die 7 Hügel-Stadt, ist stolz,

weil einstmals sie gesehen hochherzige Cottas.

Ihr Ruhm ist bis zum Himmel hin bekannt. "

XVIII: Und wahrlich eine Stadt wie unser Eisenach ist und immer war, der Sitz der Fürsten von Thüringen und Hessen und der Herzöge von Sachsen, so einsichtsvoll zu regieren, dass jeder das Seine bekommt, ist ein hartes Werk und ewigen Lobes wert.

Aus einen alten Gedicht:

"Schön ist's hervorzuragen unter grossen Männern,

Berater sein des Vaterlandes, der Armen Hilfe,

enthaltsam sein und stete Selbstzucht üben,

der Umwelt Ruh, Fried' dem Jahrhundert geben,

ist höchste Tugend, führt zum Himmel hin. "

XIX. Es gibt Leute, die halten den Kaufmannsstand für einen Adligen unwürdig, aber die mögen sich zu den Venedigern, Florentinern, Holländern u.a. begeben und mögen dort sehen, wie sehr unter der Bürgerschaft adligen Kaufleute vorherrschen.

Der Kaufmannsstand ist hochehrbar. Das beweist weitläufig durch Untersuchung staatlicher Gepflogenheiten Cl. Bernegger. Lobenswert ist auch, dass Doktoren aus dieser vornehmen Familie hervorgegangen sind, die man deswegen als vornehmer halten muss als jedes andere kluge und weise Geschlecht. Wir haben kürzlich schon ausgeführt, wieviele Fürsten Gesandte und Ritter den Doktorgrad erworben haben. Das bunte Leben und Treiben des Baseler Concils ist der Rahmen für sie alle, ob sie nun Cardinäle, Doktoren, Licentiaten oder Magister waren. Da wird jeden klar, dass das Wissen ihnen etwas bedeutete. Dass sie gelegentlich recht schlagfertig waren, davon erzählt Johann Michael Lang und Rechenberg, ein Leipziger Professor, mein ehrenwerter Freund, aus der Hildesheimer Chronik ein spasshaftes Beispiel: Es war im Jahre 1434 auf dem erwähnten Baseler Concil. Damals war ein Abt des Kloster St.Michael in Hildesheim, ein gewisser Theoderich Princkmann - der 27.Abt - ein sehr stattlicher Herr, bestimmt, die Messe zu lesen, mit der das Concil eingeleitet wurde. Als er dies nun sehr feierlich getan hatte, kam zu ihm einer von den Cardinälen, der seine Würde bewundert hatte, in der Meinung, jener sei ein hervorragender Doktor der Theologie oder ein Scholastiker. Er sprach ihn lateinisch an, der Abt wusste nicht, was er antworten sollte, wendete sich an seinen Diakon und sagte: "Was soll ich nur antworten, damit ich mich nicht blamiere ?". Der flüsterte ihm ins Ohr: " Nennt ihm ein paar Dörfer in der Umgebung von Hildesheim Steuerwald, Vorsche, Kavenstedt, Dusferstede usw., die kennt der Cardinal nicht und ihr seid fein heraus. Als der Abt sich so geholfen hatte, fragte der Cardinal einen anderen: "Dieser Abt spricht wohl griechisch ?". Darauf der Caplan: " Ja, Herr." Da machte der Cardinal seine Verbeugung und ging fort, der Abt aber hatte das Ansehen seines Standes gewahrt. So hatte die Einfalt die Unwissenheit zu Besten.

 XX. Dass Laien das Studium der Theologie, besonders das praktische, eines Adligen nicht für würdig halten, ist allerdings nicht der Fall. Sind nicht alle Bischöfe in Deutschland und geistlichen Beamten der Kirchenfürsten heute von Adel ? Die Würde der Theologie leiten wir von Gott her, ihre Nützlichkeit von der Frömmigkeit, ihre Notwendigkeit vom Heil der Menschen. Wird sie nicht fromm ausgeübt von edelmütigen und vornehmen Geistern ?

Herzog Johann von Mecklenburg wurde zu Paris Dr. der Theologie; Wallramus, kaiserlicher Gesandter, war Baccalaureus der Theologie und Licentiat; Eberhard von Sternberg Dr. der Theologie; Andreas Virgineus, ein vornehmer Pommer, war 1.Dr. der Theologie zu Dorpat in Litauen. Nic.v.Amsdorf war Lic. der Theol. und Professor in Wittenberg. Berthold von Krakewitz, ein Adliger aus Rügen, war Dr. der Theol., Professor der Universität Greifswald und General-Superintendent von Vorpommern und Rügen. Bernhard v.Ziegler war Dr. der Theol. und Professor der Hebräischen Sprachen an der Leipziger Akademie. Albert v.Notschen war Dr. der Theol. und Bischof von Meissen. Luther pflegte zu sagen: Die Ritter verachteten früher die Gelehrten, erkannten aber dann doch, dass die Ritterschaft nicht so hoch steht wie die Wissenschaft. Da taten sie die Helmbüsche ab, die sie einst trugen und nahmen die Federn zur Hand. Nun tragen sie sie auf dem Scheitel wie Trophäen der Wissenschaft. Es war also wohlgetan, dass unsere Cotta vom heiligen Geist getrieben und entflammt vom Beispiel der Vorfahren wie des Justus , des Johann, des Benedict und des Justinus, die bekanntlich alle " Mitarbeiter Gottes " waren, auch das heilige Studium wählten. Sie wollten würdige Ratsherrn der Fürsten und ihrer Höfe, Jagdherrn und Stallmeister sein, warum auch nicht Knechte Christi und Wirte der Armen des Herrn. War doch Moses der Gesandte, der Gesetzgeber und Prophet Gottes und gleichwohl der ganze Prunk seiner Grabschrift lautet: " Moses, Knecht Gottes ". Auch Paulus nennt sich Knecht Jesu Christi; soviel glückliche Gottesfreunde. Was kann man Erhabeneres, was Höheres, was Vornehmeres von einem Menschen sagen, als dass er " Knecht Gottes " war.

Preisen wir also die Cotta, unsere verehrungswürdigen Mitbürger, dass aus den Nachkommen des besten aller Väter nicht nur Hüter des Rechts und Ärzte hervorgingen, sondern vor allen Diener Gottes und Künder seines Wortes. Und zugleich betet die wunderbare Vorsehung des höchsten Gottes an, die alles lenkt und die ihre Familie erhalten hat. Die Adligen von Milan und Turenrode sind gewesen, erloschen sind die Hellgrafs, Stellas, Schalbes und andere gute Bürger. Ihr lebt bis heute auf heimatlicher Scholle Gott sei dank, blühend und fruchtbar und bis in alle Ewigkeit.

XXI. Woher aber hat, so fragt jeder im Stillen, das Geschlecht seinen Namen ? Mir scheint Kotjh das griechische Wort für "Caput" - "Haupt" und "Cotta" aus einer Wurzel zu stammen. Von diesem Wort wird "Cottus" abgeleitet, wie Gaza es darstellt. Aristoteles sagt " bojtoh ", die Franzosen "chabot", abgeleitet von der Kopfgrösse. Es gibt nämlich einen kleinen Fisch mit einem grossen, breiten und plattgedrückten Kopf mit grosser Maulöffnung ohne Zähne, an Gestalt und Farbe der Kaulquappe ähnlich.

So bedeutet "Cotta" nicht anderes als "Haupt". Die Heiden brachten gewisse Götter und Göttinen mit einzelnen Teilen des Körpers in Verbindung und behielten dabei allein das Haupt dem Götterfürsten Jupiter vor. "Denn das Haupt ist das Wunder aller Wunder und das Mass aller Dinge". "Die Zierde der kühnen Bildnerin natur" sieht man nach einem Ausspruch des Zarathustra nirgends leuchtender als am Haupte. Ihm gebührt vor allen anderen Gliedern die höchste Ehre. Die Gründe dafür hat einmal mein Freund Dr.Justus Cortuum aus Linden aufgezählt. Die Schlange, die Schülerin der Klugheit, wenn sie in einen Hinterhalt fällt und man ihr mit Schlägen zusetzt, wirft ihren ganzen Körper dem Schläger entgegen, nur um ihren Kopf zu schützen. Bleibt der heil, dann verträgt sie die anderen Wunden leicht und heilt sie aus.

XXII. (weitere Ausführungen über mögliche Herkunft des Namens "Cotta" aus dem griechischen Wortraum)

XXIII. Lasst euch nur nicht in Verwirrung bringen, wenn ihr Neidhämmel findet, ihr Freunde der Cotta. Es gibt kein sichereres Zeichen guter Veranlagung oder ein schöneres Zeugnis kühner Taten, als wenigen zu gefallen. Die meisten nämlich verstehen es wegen ihrer Unkenntnis des Richtigen nicht, der Tugend und Gelehrsamkeit den Preis zu erteilen, der diesem gebührt. Nur für wenige ist der geboren, der die Gedanken seiner Zeit denkt. " Wer fest auf dem Sinne beharrt, der bildet die Welt sich ".

" Wenn der Erde Kreis geborsten einstürzt: Einen Unerschrockenen werden die Trümmer erschlagen". Gott möge geben, dass alle Glieder des Geschlechts der Cotta immer wie die Aurelier und wie Bonaventura sind.

Und wenn meinen Mitbürgern diese Geschichte gefallen hat, kann ich noch andere erzählen von den ausgestorbenen Familien meiner Vaterstadt von Purgolds, Heerwarts, Himmels, Schellhasens, Breithaupts, Pfefferkorns und anderen. Man soll die nicht in Vergessenheit geraten lassen, denen Ewigkeit gebührt, solange eine Heimatstadt die guten Taten aller Geschlechter umschliesst.

 übertragen und gesetzt in Times New Roman mit Winword97 durch Dieter Cotta, Wegberg 5/98

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